Interview

Tomoyuki Ueno x theartape

theartape: Der Titel Deiner Ausstellung bei theartape Eine Liebe von 300 Millionen Jahren – Du

glaubst so lange wird schon geliebt auf dieser Welt.

Tomoyuki Ueno: Vielleicht: das weiß ich natürlich nicht genau; aber Liebe, die lange dauert, ist eine sehr schöne Sache. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die Skulptur, Cathedrale, die auf der Einladung abgebildet ist. Ein Fossil das 300 Millionen Jahre alt ist korrespondiert mit den gefalteten Händen eines Liebespaares. Beide verbindet ein steinerner (Zeit) Strahl. Letztendlich ist die Liebe der Vergangenheit der Grund für den Glauben an die Zukunft.

theartape: Deine neuen Arbeiten beschäftigen sich sehr viel mit Fossilien und anderen Fundstücken aus der Natur. Zurück zur Natur?

Tomoyuki Ueno: Nein, das ist keine Rückbesinnung auf die Natur, zumindest nicht in erster Linie. Mich interessieren die Gemeinsamkeiten zwischen Formen, die von der Natur geschaffen wurden und werden, mit denen für die sich Menschen entschieden haben, um ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken. Lange Zeit konnten Menschen dabei ja auch nur auf die Produktionsmittel der Naur zurückgreifen. Stein, Metall und Holz haben für mich dabei durchaus etwas archaisches. Die Natur schafft die Realität, das Original: der Mensch das Abbild.

theartape: Das Thema Realität kommt sehr häufig in Deinen Arbeiten vor.

Tomoyuki Ueno: Ja, das liegt wahrscheinlich an meiner ersten Ausbildung. Ich habe in Japan ja Medienkunst studiert. Die Abbildung der Realität war schon damals für ich ein wichtiges künstlerische Ausdrucksmittel. Wenn bei einer Videoinstallation das Video eine Symbiose mit Umgebung und Skulptur eingeht – seine Zweidimensionalität also verliert – dann wird es Teil einer neuen Realität. Ich arbeite heute viel häufiger mit unterschiedlichen Materialien, weil ich dadurch die Realität besser abbilden kann.

theartape: Deine Abschlussausstellung im Künstlerhaus Bethanien hatte den Titel Schwarzwald. Wie kam es zu diesem Titel?

Tomoyuki Ueno: Seinen Ursprung hat das ganze tatsächlich durch einen Besuch im Schwarzwald. Gerade den Nordschwarzwald, mit seinen tiefen, dunklen Tälern und seinen hohen Tannen, habe ich damals wie eine gotische Kathedrale empfunden.

Die Ausstellung selbst war dann die Präsentation von Objekten aus unserer täglichen Umgebung; diese jedoch aus dem alltäglichen Kontext gelöst und in Skulptur übersetzt. So wurden gotische Fensterrahmen, Strassenlaternen und Zäune Elemente einer neuen Realität. Letztendlich möchte ich den Betrachter einladen, seine Umgebung anders, neu wahrzunehmen.

theartape: Du planst eine Ausstellung in einer Kirche in Berlin für das nächste Jahr

Tomoyuki Ueno: Ja die Ornamentik der Gotik, aber auch das Ornament allgemein faszinieren mich zur Zeit sehr. Auch bei dieser Ausstellung wird es wieder um die Schöpfung unserer Wahrnehmung durch die Veränderung von Realität gehen.

theartape: letzte Frage: Udon oder Ramen

Tomoyuki Ueno: Ramen