Sebastian Conrad

Sebastian Conrad

my charger is your charger 18.01. – 16.02.2020

Conrad mobilisiert für seine Ausstellung My Charger is Your Charger Textil, Bleiche und Tinte um Möglichkeiten des sich Verbindens und daraus entstehende Abhängigkeiten zu materialisieren. Aus dem Zusammenwirken der Materialien entstehen Figuren, Ornamente und Wurzelwerk in kontrastreichen Farben. Auch das vernetzte Individuum sehnt sich nach Zusammenhang und Erdung.

Die Kunst beginnt bei Conrad nicht erst durch das Auftragen von Farbe auf die vorbereitete Leinwand. Seine materiellen Operationen fassen vielmehr schon die physisch-organische Genese des Textils, und seine metaphorischen und gesellschaftlichen Bedingungen, als Teil der künstlerischen Produktion.

So wie eine Blume kraft Wasser, Luft und Sonne aus dem Erdreich dringt, zeigen sich Conrads Stoffe mit ihrer Hervorbringung assoziiert. Der gewebte Stoff verweist motivisch auf seinem organischen Ursprung und die menschliche Bearbeitung. Damit zeigt sich das Textile auch als Bindeglied zwischen den Menschen. Durch ihre Hände geht es und ihre Zeichen werden ihm eingeschrieben. Ein Kleidungsstück wird als getragenes Zeichen zum Code, der soziale Gemeinschaften und kulturelle Grenzen markiert. Das ins endlose gespiegelte Logo der Marke „Zwilling“ bildet bei Conrad demgemäß eine Menschenkette. Kontrastiv aufgetragen, stellt es aber nur scheinbar einen Bruch mit dem organisch-handwerklichen Prinzip von Farbe und Stoff dar. Im heutigen Zeitalter des Anthropozän, in dem etwa auch Baumwollfelder von den technowissenschaftlichen Exzessen der Menschen gezeichnet sind, deutet es vielmehr darauf, dass die materielle Produktion nicht länger von der kulturellen zu entwirren ist.
 

Conrad (*1992 in Wuppertal) erweitert Malerei, indem er konstitutiv materielle, mediale und immaterielle Formate in seine künstlerische Praxis einspeist. Zunächst studierte der Architektur, bevor er an die Kunstakademie Düsseldorf in die Klasse von Katharina Grosse wechselte. Seit 2018 setzt er sein Studium an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Amy Sillman und Nikolas Gambaroff fort, wo er 2020 abschließen wird.

Text: Benedikt Seerieder

Bildcredit: © Conrad, 2019.